Seit 2007 haben wir unseren Betrieb nach einem ganzheitlich integrierten Nachhaltigkeitskonzept  im Sinne einer Corporate Social Responsibility (CSR) mit normativem Ansatz umstrukturiert.
Aus Anlass der Verleihung des Weinbauförderpreises 2013 haben wir unser Konzept hier veröffentlicht.
Seit Mai 2015 können Sie das System Biodiversitäts-Weingarten in Pillichsdorf auf 10 Infotafeln nachlesen.

Dieses Konzept umfasst alle Bereiche des Weinguts:

  1. Die Weingärten – Biodiversitätsanlagen

  2. Den Keller – Energieeffizienz und Reinigungsmanagement

  3. Die Kommunikation nach aussen – Sozial Media und Homepage

  4. Das Marketing – von Produktion bis zum Verkauf und Werbung

  5. Die Corporate Social Responsibility (CSR)


1. Die Weingärten – Biodiversitätsanlagen

2010 haben wir begonnen, die Weingärten auf ein Höchstmaß von vielfältigem Leben und ein Mindestmaß an maschinellen, händischen und chemischen Eingriffen umzustellen.
Kaum zu glauben, wieviel Zeit, Arbeit, Geduld und finanzielle Mittel in diesem einen Satz stecken.
Auch wenn wir in einem funktionierenden Biodiversitätsweingarten weniger maschinellen Einsatz benötigen, brauchen wir zur Installation einer solchen Anlage besonders überlegten aber intensiven Maschineneinsatz.

Spatenpflug, Vermikulit, Nährstoffe und Begrünung

Jede 2. Fahrgasse (wir nennen diese Blumengassen) wurde 50 cm mit dem Spatenpflug gelockert und anschließend durch hohe Saatstärke stabilisiert. Diese Fahrgassen müssen aufgrund der Anschaffung einer Tunnelspritze mit Recyclingsystem nur sehr selten befahren werden. Das verhindert Bodenverdichtungen und bietet Bodenlebewesen einen weitgehend ungestörten Lebensraum. Diese vermehren sich dann schneller und tragen zur weiteren Bodenverbesserung bei. Danach wurde mit der ersten Vermikulit-Gabe in Kombination mit 12l/ha reiner Huminsäure (bindet Giftstoffe, unterstützt die Garebildung) fortgesetzt.

Bodenverdichtungen

Bodenverdichtungen verhindern den Gasaustausch (dadurch Kohlensäurebildung im Boden) und breites Leben im Boden.
Daher bemühen wir uns mit geringen Überfahrten (möglichst mit Nutzung der Differentialsperre), Begrünungspflanzen, Bodenruhe, Huminsäuren und Förderung des Bodenlebens um eine möglichst rasche Verbesserung der Bodendruchlüftung

Balance der Nährstoffe

Im Herbst 2011 wurden die ersten Bodenproben in ein Speziallabor in die USA gesandt. Aufgrund dieser Analysen und Ihrer Interpretation eines Berliner Beratungsbüros wurde im Frühjahr 2012 ein Plan zur Behebung der Nährstoffmängel entwickelt. Da diese Analysen nicht aus einem EU-zertifizierten Labor stammen, versenden wir ebenfalls Proben an ein anerkanntes Labor. Die Ergebnisse des anerkannten Labors legen fest, welche Nährstoffe gedüngt werden dürfen. Wir haben Eisen, Mangan, Zink, Bor und Natrium, Magnesium, Kalium, Schwefel ausgebracht.

Eine gute Begrünung – ein hartes Brot

Aufgrund der Trockenheit vertrocknen viele Pflanzen im Sommer und es kommt zu keiner Samenbildung. 2013 haben wir deshalb ein Direktsaatgerät für den Weingarten angeschafft. Dieses Gerät ermöglicht es uns, neue Begrünungspflanzen nachzusäen ohne die bestehende Vegetation zu zerstören. Unsere Pflanzen können ihr Wurzelsystem weiter ausbreiten. Eine dichtere und abwechslungsreichere Vegetation schützt den Boden und darin lebende Tiere vor direkter Sonneneinstrahlung, beugt Erosionen vor, bindet Nährstoffe, ist Nahrungsquelle für viele Tiere und Insekten, beendet den Monokulturcharakter von Weingärten, erhöht die Befahrbarkeit des Bodens und nimmt das Regenwasser auf. Weiters würde mit jeder Bodenbearbeitung Humus abgebaut und Stickstoff mineralisiert werden. Bis zum Einsatz des Direktsaatgeräts musste die bestehende Vegetation zersört werden um die neue Begrünung (teilweise mit den selben Pflanzenarten) ansäen zu können. Das kostet Zeit, Geld und Energie. Wenn nun Begrünungen nicht über den Sommer kommen, ist der Boden zumindest mit wilden Gräsern bewachsen.

Bäume und Stäucher im Weingarten

Im Herbst 2012 haben wir mit der Pflanzung von Obstbäumen und Sträuchern in den Rebzeilen begonnen. Durch die Auswahl von Obstarten mit unterschiedlichen Blühzeitpunkten kann ein sehr früh beginnendes Blühangebot (Mandel, Dirndl, Palmkätzchen im Februar) für Insekten geschaffen werden, welches dann von den Begrünungspflanzen weiter geführt wird.  Wir pflanzten Äpfel, Zwetschke, Marille, Weingartenpfirsich, Kriecherl, Mandel, Mispel. Wichtig ist, dass von keinem Punkt im Weingarten die Entfernung zum nächsten blühenden Baum mehr als 50m beträgt (Flugweite der Insekten). Bäume haben ein weitreichenderes Wurzelsystem als Reben oder Begrünungspflanzen und können so Wasser und Nährstoffe aus tiefer liegenden Bodenschichten wieder in den Kreislauf zurückbringen. Weiters wird dort der Boden gelockert und stabilisiert und das Ursprungsgestein für die weitere Verwitterung durch andere Pfanzenwurzeln vorbearbeitet. Ihr Anblick macht unsere Weingärten attraktiver für Wanderer und unsere Mitarbeiter. Schließlich dienen die Früchte der Bäume als Nahrung für unterschiedliche Tierarten. Die Stäucher und Kren werden am Ende jeder Rebzeile gepflanzt. Dort bilden sie keine Brücke für Pilzsporen und tragen ebenfalls zur Ernährung der Tiere im Weingarten bei.

Ein Platz für Tiere und Pflanzen

An den „Zwickeln“ der größeren Weingärten wurden zusätzlich Biodiversitäts-Hotspots geschaffen, in denen alte Obstsorten (Bäume und Sträucher) und Pflanzen in Abstimmung mit dem Niederösterreichischen Naturschutzbund gepflanzt wurden. Die Hotspots werden mit einem Hochstammbaum (Grafensteiner – Apfel) ausgestattet. Er wirkt als Fangbaum für Pollen und Insekten, welche vom Wind vertragen wurden. Diese können sich vom Baum in den Hotspot und weiter in den Weingarten ausbreiten – so es Ihnen in unserem Weingarten gefällt. Auch Raubvögel nutzen diesen Baum sehr gerne. Die Hotspots werden möglichst wenig bearbeitet. Nur invasive Pflanzenarten (Götterbaum) werden entfernt. Darüber hinaus versorgen wir die österreichische Bürokratie mit Arbeit indem jeder Baum in einem Verzeichnis geführt wird.

Nistkästen im Weingarten

Wir haben Nistkästen in unseren Weingärten montiert, um nützliche Vogelarten, die uns bei der Bekämpfung von Schädlingen unterstützen sollen, anzulocken. Im Sinne unseres ganzheitlichen Nachhaltigkeits-Konzeptes haben wir insgesamt 70 Höhlennistkasten, Halbhöhlennistkästen und Wendehals-/Starenistkasten von der Lebenshilfe NÖ/Werkstätte Baumgarten an der March bezogen. Diese werden jeden Herbst repariert, geleert und gereinigt.

Bienenstöcke im Weingarten

Unser Imker Franz Petzold aus Wolkersdorf hat bei unseren Biodiversitätsanlagen 5 Bienenstöcke aufgestellt. Der „Weingartenhonig“ wird exclusiv für unsere Kunden abgefüllt.

Eine Couch im Wohnzimmer des Grünen Veltliners

Da die Couch als Sinnbild für „Wohlfühlen wie im Wohnzimmer“ das Symbol unseres Weingutes und damit wesentlicher Teil unserer Corporate Identity ist, haben wir bei unseren Biodiversitäts-Anlagen eine Couch aus Gabionengitter aufgestellt. Mit dieser Couch laden wir Wanderer zum Rasten und Geniessen ein. Andererseits wird durch die Befüllung des Sofas mit Steinen (vorzugsweise aus dem Weingarten), alten Kordonen von Rebstöcken, aufgestapelten Fassdauben und leeren Weinflaschen ein spezieller, geschützter Lebensaum geschaffen: Die Steine dienen Eidechsen zum Aufwärmen in der Sonne. Zwischen den Kordonen können sich Eidechsen, Mäuse etc. verstecken und den Nachwuchs aufziehen. Die Fassdauben dienen ebenfalls als Versteck und bieten Wildbienen Platz für deren Waben. Wofür die Weinflaschen sind? Wir lassen uns überraschen, welche Tiere diese als Zuhause annehmen. Ergänzend zur Couch haben wir noch alte Baumstämme, Stein- und Holzhaufen in den Hotspots für verschiedenste Tierarten.

2. Der Keller – Energieeffizienz und Reinigungsmanagement

Um den Einsatz chemischer Reinigungsmittel zu minimieren, haben wir ein Dämpfgerät angeschafft. Mittels Heißdampf werden nun die Tanks etc. vorgereinigt, mit Wasserdruck gespült und erst danach werden chemische Reinigungsmittel eingesetzt. Dadurch konnte der Reinigungsmittelaufwand auf 20% gesenkt werden. Bei der Vorreinigung vor der Wiederbefüllung eines Tanks wird dann ausschließlich Dampf verwendet. Der Stromverbrauch ist dadurch aber gestiegen.

Vor den Kühlraumtoren wurden Lamellenvorhänge angebracht, welche beim Öffnen der Tore das Ausströmen der kühlen Luft minimieren.
Der Kellervorraum wurde 2013 ebenfalls Isoliert. Diese große Investition wurde vorrangig getätigt, um den Einsatz der mobilen Füllanlage in unserem Weingut auch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und darunter sicher zu stellen (wichtigster Abfülltermin der Jungweine). Ein Nebeneffekt ist jedoch, dass nun der Vorraum zu den Weinkellern einen geringeren Temperaturunterschied zur Zieltemperatur im Keller hat. Im Winter ist es wärmer, im Sommer kühler als im unisolierten Raum. Weiters kann die Decke nun gereinigt werden, was den Hygienestandard erhöht.

Mit der Installation von 3 Photovoltaikanlagen 2007 und 2008 mit einer Gesamtleistung von rd. 15 KWpeak können ca. 80% des Stromverbrauchs mit dem am Kellerdach selbst produzierten Strom abgedeckt werden. Dadurch ist eine hohe Wirtschaftlichkeit garantiert, weil die Menge des überschüssigen Stromes minimiert werden kann. Die Photovoltaikanlagen beschatten zudem das Kellerdach. Somit wird hier bereits der Erwärumung im Keller entgegen gewirkt und so Strom für die Kühlung eingespart. Ein weiterer Ausbau der Photovoltaikanlagen ist aufgrund der Anschlussstärke des Stromnetzes nicht möglich. Wir beziehen 100% Naturstrom von der Alpe Adria Energie (AAE). Unser Privathaus wird mit Holz aus unseren Weingärten beheizt.

3. Die Kommunikation nach außen – Sozial Media und Homepage

Auf Nachhaltigkeit ist auch unsere Kommunikation mit unserem Partner, dem Konsumenten ausgerichtet. Durch fundierte Information und Sensibilisierung können wir dem selbständig denkenden Konsumenten Kompetenz verleihen. Das ist auch unsere Zielgruppe. Die Arbeit ist zu mühsam, zu schwer und mit zu viel finanziellem Einsatz und Risiko verbunden, als dass wir unsere Produkte ohne entsprechende ideelle Wertschätzung weitergeben wollen.

Deshalb führen wir einen Blog auf Facebook mit Informationen über aktuelle Belange des Weinguts. Auf unserer Homepage werden nur die wichtigsten Neuigkeiten veröffentlicht.

4. Das Marketing

Neben der Produktqualität ist auch die Art der Herstellung für mich ein großes Thema.
Die Natur darf keinen Schaden erleiden. Ich denke wir sind nun soweit, dass die Natur durch unsere Arbeit einen Vorteil hat.
Alle Menschen, welche am Betrieb arbeiten – Familie und Fremdarbeitskräfte – sollen die Arbeit gerne machen und das Gefühl haben, etwas sehr Wertvolles und Wichtiges zu tun. Dazu gibt der Betrieb Raum für eigene Produkte – Produktdiversifizierung ist die Folge. Und wir bezahlen für diese Leistung auch anständig um davon Leben zu können.
Meine Lieferanten werden nicht zu Niedrigstpreisen gedrängt. Angebotseinholung und Anbietervergleich gehören zur guten kaufmännischen Praxis – das Auspressen der letzten möglichen Konditionen nicht! Ich brauche gute Lieferanten und deren Mitarbeiter auch in Zukunft für unsere Arbeit.
Ich schröpfe auch meine Kunden nicht! Jeder normal arbeitende Mensch und Pensionisten soll sich unsere Produkte leisten können. Dass der Betrieb kostendeckend arbeiten muss ist selbstverständlich, monetärer Reichtum ist aber nicht mein Ziel.

Unsere Produkte verkaufen wir Ab-Hof, im nahen Wien und an sensibilisierte Gastronomen im Westen Österreichs. Durch unseren Online-Shop ermöglichen wir aber auch dem Rest der Welt sich an unserer Arbeit zu erfreuen. Der weite Transport spricht gegen die Ressourcenschonung, aber für die Verbreitung unserer Botschaft ist der weiträumige Absatz gut. Wir wollen ja Schule machen. Über 95% Stammkundenanteil bringt uns sehr große Sicherheit. Dafür sind wir dankbar, denn der Betrieb kann sich mit dieser Sicherheit weiterentwickeln.
Dafür machen wir auch Werbung, vorzugsweise in Special Interest Magazinen. Die Weinwelt soll uns entdecken und wenn schon nicht bei uns eingekauft wird (wir haben nicht genug für alle), so sollen andere Winzer auf unseren Weg aufmerksam gemacht werden. Wir zeigen, dass es geht.
Der beste Werbeauftritt ist unser Hoffest im Mai. Da kann man sich informieren, selbst sehen, kosten und kaufen. Der im Jahr 1872 erbaute Stadl wurde 2005 renoviert und wird für alle Feste am Hof genutzt.

Wir versuchen auch bei der Verpackung nachhaltig zu arbeiten. Das Pfandsystem für 1l-Flaschen und Honiggläser bringt eine hohe Rücklaufquote der Leergebinde. Leere Bouteillen werden ebenfalls in einer externen großen Waschanlage gereinigt und wieder verwendet.

5. Die Corporate Social Responsibility (CSR)

Einige Aktivitäten, welche unter unternehmerische Gesellschaftsverantwortung fallen, wurden bereits erwähnt.
Das Weingut Schmid Pillichsdorf unterstützt durch einen monatlichen Betrag ein Projekt der Kindernothilfe in Ruanda. Ein kleiner Beitrag, der Sicherheit für die Unterstützten Familien bringt.
Andere Organisationen oder Projekte werden anlassbezogen unterstützt. Wenn möglich durch eine Auftragsvergabe an die NÖ Lebenshilfe (Druckkostenbeiträge, Schmuckanhänger für Weingläser, Nistkästen), Blindenverband (Mikrofasertücher).

In engem Kontakt und Austausch stehen wir mit den für uns relevanten Organisationen wie Landwirtschaftskammer, Regionales Weinkomitee, BOKU etc. Wir beschränken uns nicht auf die Konsumation der Angebote unserer Partner, sondern regen auch neue Angebote an bzw. bringen uns konstruktiv in Entwicklungs- und Diskussionsprozesse ein und übernehmen Verantwortung.
Um die Arbeitssicherheit zu erhöhen wurde das freiwillige Angebot der SVA der Bauern zur Evaluierung der Betriebssicherheit durch eine Vor-Ort-Nachschau in Anspruch genommen und die aufgezeigten Mängel behoben.
Meine Mitschriften aus dem LFI-Kurs „Befähigung zum Bioweinbau“ mit Frank John stelle ich in einem eigenen Internet-Blog meinen Winzerkollegen aus dem Seminar zur Verfügung.

Nachhaltiges Denken umfasst auch die Vorbereitung des Weinguts auf die Übernahme durch die nächste Betriebsführerin/den nächsten Betriebsführer. Zeitgemäße Organisation, moderne maschinelle Ausstattung und Wirtschaftlichkeit sind gute Voraussetzungen für die Weiterführung des Betriebes. Freude an der Arbeit und Freude im Umgang mit Menschen müssen mitgebracht werden.
Jeder kann etwas tun um die Welt etwas besser zu machen.
Als Konsument der Produkte des Weinguts Schmid Pillichsdorf und vom Bauernhof Familie Schmid können auch Sie einen Beitrag leisten.

Für meinen großen Entwicklungsschritt seit 2011 im Weinbau und in der Kellerwirtschaft ist mein Berater Frank John/oenology results hauptverantwortlich. Durch die gute Zusammenarbeit, sein umfassendes Fachwissen und seinen kritischen Blick von außen konnten viele kleine und große Verbesserungen umgesetzt werden.

Meinen Kunden danke ich für das langjährige Vertrauen – das auch verpflichtet – und das große Interesse an unseren Maßnahmen zum Naturschutz und zur Nachhaltigkeit. Ohne Sie gäbe es keine meiner Aktivitäten!
Die Medienvertreter greifen unsere Ideen auf und verbreiten diese. Sie werden damit zu wichtigen Botschaftern für die Biodiversität.